UX-Design & Research | Interfacedesign | Prototyping
UX-Optimierung der On-Page-Suche auf Make it in Germany
Ein Regierungsportal, hunderte Seiten Inhalte – aber wie finden Nutzer:innen, was sie wirklich brauchen? Ich durfte die Suche von make-it-in-germany.com neu denken – vom statischen Eingabefeld hin zu einer klar strukturierten, zugänglichen Sucherfahrung.
Projektübersicht
Make it in Germany ist das zentrale Informationsportal der Bundesregierung für internationale Fachkräfte, die in Deutschland leben und arbeiten möchten. Die Plattform vereint mehrere hundert Seiten Inhalte aus unterschiedlichen Themenbereichen – von Visa und Aufenthaltsrecht über Arbeiten und Leben in Deutschland bis hin zur angebundenen Jobbörse.
Im Rahmen eines laufenden Projekts wurde ich beauftragt, die bestehende On-Page-Suche konzeptionell und visuell neu zu denken. Ziel war es, einen zentralen Einstiegspunkt in diese komplexe Informationslandschaft zu schaffen – verständlich, zugänglich und nutzerzentriert.
Herausforderungen
Die bestehende Suche erfüllte zwar ihre Grundfunktion, scheiterte jedoch an zentralen UX-Anforderungen:
Ausgangslage
- keine Differenzierung zwischen Ergebnistypen
- fehlende visuelle Orientierung innerhalb der Trefferliste
- hoher sprachlicher und kognitiver Aufwand für internationale Nutzer:innen
- keine erkennbare Verbindung zwischen redaktionellen Inhalten und der Jobbörse
Die Suche war funktional, aber nicht erklärend – und damit insbesondere für die heterogene, internationale Zielgruppe nur eingeschränkt nutzbar.
Zielsetzung
Mein Ziel war es, die Suche von einem rein technischen Feature zu einem orientierungsstiftenden UX-Element weiterzuentwickeln. Konkret bedeutete das:
- schnelle inhaltliche Einordnung von Suchergebnissen
- klare visuelle Struktur und Hierarchie
- Reduktion sprachlicher Komplexität
- bessere Verknüpfung zwischen Informationsinhalten und Jobangeboten
- barrierearme, verständliche Nutzung unabhängig von Vorkenntnissen
Rolle & Verantwortung
Ich verantwortete die UX-Konzeption und das Interaction Design der neuen Suche end-to-end:
- Analyse der bestehenden Informationsarchitektur
- Entwicklung mehrerer konzeptioneller Ansätze
- Strukturierung der Suchlogik und Ergebnisdarstellung
- Gestaltung interaktiver Wireframes und Prototypen
- Abstimmung mit Redaktion, Produktverantwortlichen und Entwicklung
- Übergabe und Dokumentation für die technische Umsetzung + Abnahme
Vorgehen & Prozess
Um die Bedürfnisse klar zu definieren, analysierte ich die Geschäftsziele, Nutzergruppen und die bestehende Plattform. Aus Analysen und Stakeholder-Gesprächen ergaben sich vier zentrale Erkenntnisse.
1. Analyse & Research
Ich analysierte die bestehende Seitenstruktur, Suchlogik und Ergebnisdarstellung sowie vergleichbare Suchlösungen in Content-lastigen Plattformen. Besonderes Augenmerk lag auf Verständlichkeit, Orientierung und Mehrsprachigkeit.
2. Konzeption
Auf Basis der Analyse entwickelte ich verschiedene Strukturmodelle für die Suchergebnisse: Typisierung nach Inhalt, Quelle und Kontext. Ziel war es, Treffer nicht nur anzuzeigen, sondern erklärbar zu machen.
3. Interaction & UI Design
Die Konzepte wurden in interaktive Wireframes und visuelle Entwürfe überführt. Fokus lag auf klarer Hierarchie, unterstützenden Micro-Interactions und einer Suche, die sich aktiv an den Nutzer:innen orientiert.
4. Handoff & Abstimmung
Die finale Lösung wurde in Figma dokumentiert, inklusive States, Komponenten und Interaktionslogik, und eng mit dem Entwicklungsteam abgestimmt.
Zentrale Designentscheidungen
Die Suche als aktiver Einstiegspunkt
Das Suchfeld rückt beim Interagieren visuell in den Fokus. Eine integrierte Autosuggest-Funktion unterstützt die Eingabe, reduziert Fehler und macht den möglichen Suchraum früh sichtbar.
Intelligente Anbindung der Jobbörse
Relevante Jobangebote werden kontextuell in die Suche integriert. Verweise auf die Jobbörse erscheinen sowohl im Such-Dropdown als auch prominent auf der Ergebnisseite – ohne die eigentliche Suche zu unterbrechen.
Strukturierte, typisierte Suchergebnisse
Suchtreffer werden visuell differenziert und klar nach Inhaltstyp, Kategorie und Quelle ausgezeichnet. Dadurch können Nutzer:innen den Kontext eines Ergebnisses sofort erfassen, ohne es öffnen zu müssen.
Thematische Filter als Navigationsebene
Filterkategorien ermöglichen es, Suchergebnisse thematisch einzugrenzen und gleichzeitig die Struktur der Plattform besser zu verstehen. Kategorien ohne Treffer werden bewusst deaktiviert, um falsche Erwartungen zu vermeiden.
Ergebnis
Die neue Suchlösung bietet:
- eine visuell geführte, verständliche Suche
- deutlich bessere Orientierung innerhalb der Ergebnislisten
- geringere kognitive Belastung für internationale Nutzer:innen
- klare Verbindung zwischen Informations- und Jobinhalten
- eine konsistente UX, die sich in die Gesamtstruktur der Plattform einfügt
Die Suche wurde vom reinen Eingabefeld zu einem zentralen Navigations- und Orientierungselement weiterentwickelt.
Learnings
Dieses Projekt zeigt exemplarisch, wie UX Design komplexe, staatliche Informationsangebote zugänglicher machen kann – nicht durch Vereinfachung der Inhalte, sondern durch klare Struktur, gute Orientierung und bewusste Interaktionsentscheidungen.
- Gute Suche beginnt nicht bei Algorithmen, sondern bei der Informationsarchitektur
- Visuelle Typisierung reduziert kognitive Last stärker als zusätzliche Texte
- Kleine UX-Entscheidungen haben große Wirkung, wenn sie strategisch gedacht sind
- Besonders bei internationalen Zielgruppen ist Klarheit wichtiger als Vollständigkeit